Telefonaktion WESTFALENPOST am 4. Juni 2005

Rat zum Thema Herz

Überwältigende Resonanz auf Telefonaktion

Hagen. (mako) Auf überwältigende Resonanz ist unsere Telefonaktion zum Thema Herz-Gesundheit gestoßen. Vier renommierte Kardiologen standen unseren Lesern Rede und Antwort, unter ihnen Prof. Dr. Reiner Körfer vom Herz- und Diabeteszentrum NRW in Bad Oeynhausen. Im Zentrum des Leser-Interesses standen neue Forschungsergebnisse bei der Bekämpfung von Herzerkrankungen sowie Einsatzmöglichkeiten von künstlichen Gefäßstützen (Stent) und Bypässen. Die Experten wurden jedoch auch mit sehr persönlichen Problemen konfrontiert. Die wichtigsten Fragen und Antworten sowie Tipps zur Vorbeugung haben wir für Sie zusammengefasst.

Leserfragen mit viel Herz beantwortet

Experten stehen mit Rat und Tat zur Seite
von Martin Korte

Hagen. Fünf Stunden Zeit haben sich einige der renommiertesten Herzspezialisten des Landes für unsere Leser genommen. Die Telefonaktion war mit mehreren tausend Anrufversuchen ein großer Erfolg. Weil nicht alle Ratsuchenden durchgekommen sind, fassen wir wichtige Fragen und Antworten zusammen.

Frage: Wann brauche ich einen Bypass?
Antwort: Damit der Herzmuskel ständig mit sauerstoffgesättigtem Blut versorgt wird, müssen die Herzkranzgefäße (Koronararterien) durchgängig sein. Kommt es infolge einer oder mehrerer Einengungen in den Koronararterien zu Durchblutungsstörungen, sollte sofort Abhilfe geleistet werden. Wenn eine medikamentöse oder kathetertechnische Behandlung nicht mehr ausreicht, muss die Durchblutung chirurgisch verbessert werden.

Frage:Was wird bei einer Bypassoperation gemacht?
Antwort: Um die Durchblutung des Herzmuskels zu verbessern, werden Überbrückungen (Bypass) auf das Herz bzw. in die Koronararterien eingenäht. Die Bypässe werden so angelegt, dass so viele Einengungen wie nötig umgangen werde.

Frage: Wie lange halten Bypässe?
Antwort: Das ist abhängig von der Lebensweise des Patienten (Risikofaktoren). Viel Patienten müssen ein zweites Mal wegen des Fortschreitens der Koronarsklerose und nicht wegen verschlossener Bypässe operiert werden.

Frage: Welche Stents sind besser, die bisherigen oder die neuen, beschichteten?
Antwort: Die beschichteten Stents haben eine sehr viel geringere Rate an erneuten Verengungen. Grundsätzlich sind also die beschichteten den nicht beschichteten vorzuziehen.

Frage: Werden beschichtete Stents in jedem Fall von der Krankenkasse bezahlt?
Antwort: Immer mehr Krankenkassen gehen dazu über, auch für beschichtete Stents die Kosten zu tragen, bisher war die Studienlage noch nicht ganz eindeutig, dies verändert sich jetzt aber zunehmend zugunsten der beschichteten Stents. Dieser Situation haben die Krankenkassen Rechnung getragen.

Frage: Ich habe Herzrhythmusstörungen. Ultraschall und Herzkatheteruntersuchung waren unauffällig. Darf ich Sport treiben?
Antwort: Ja, Sie sollten sich jedoch regelmäßig ärztlich untersuchen lassen.

Frage: Ich leide unter einer Halsschlagaderverengung um 60 Prozent. Wie soll ich vorgehen?
Antwort: Sie sollten einmal im Jahr eine Ultraschalluntersuchung der Halsschlagader vornehmen lassen. Sollte sich eine 70-prozentige Verengung einstellen und sollten Sie schlaganfallähnliche Symptome bekommen, müsste die Ader mit einem Ballon und Stent erweitert werden. Sollte eine 80-prozentige Verengung vorliegen, müsste sie auch ohne verheriges Auftreten von Schlaganfallsymptome mit einem Ballon und Stent gedehnt werden.

Frage: Welche Arten von Herzklappen gibt es?
Antwort: Man unterscheidet zwei Arten von Herzklappenprothesen: die so genannten biologischen und mechanischen Herzklappen. Die biologischen Klappen stammen entweder von Tieren oder auch vom menschlichen Herzen (Homografts).

Frage: Welche Vor- und Nachteile haben die unterschiedlichen Herzklappenprothesen?
Antwort: Homografts werden bei speziellen Indikationen, etwa bei Patienten mit Infektionen an ihren Herzklappen und bei Kindern, eingesetzt. Bei biologischen Klappen handelst es sich häufig um Schweineherzklappen, die sich nach chemischer Behandlung zum Ersatz menschlicher Klappen eignen. Die biologischen Klappen haben eine durchschnittliche Lebensdauer von 15-17 Jahren. Am häufigsten werden mechanische Klappen aus Metall oder Kunststoff eingesetzt. Sie sind lebenslang haltbar.

Frage: Muss eine geschädigte Herzklappe immer ausgetauscht werden?
Antwort: Die Wiederherstellung einer funktionsfähigen Herzklappe ist heutzutage eine bedeutende Alternative zum Klappenersatz geworden. Wir sprechen dann von einer Herzklappenrekonstruktion, bei der mit einem chirurgischen Eingriff die natürliche Funktion der Herzklappe wieder aufgebaut wird. Prinzipell kann jede Klappe rekonstruiert werden, wenn ihre Segel- und Taschenbeweglichkeit nicht übermäßig eingeschränkt ist und ausreichend Klappengewebe vorliegt, um eine schlussfähige Klappe zu modellieren.

Frage: Können Mobilfunkstrahlen und Elektrosmog die Herztätigkeit beeinflussen?
Antwort: Es liegen Studienergebnisse vor, die sowohl das eine als auch das andere meinen nachweisen zu können. Langzeitstudien sind vielfach angelaufen, eine abschließende Bewertung ist aber noch nicht erfolgt.